Kulturlandschaft

Die „Verschönerte Landschaft von Tharandt“ in der Zeit der Empfindsamkeit

Im Jahre 1792 entschloss sich der Tharandter Amtschirurg Butter, zwei Quellen zu fassen, von denen er annahm, dass ihr Wasser heilkräftig sei, um eine Kureinrichtung ins Leben zu rufen. Im selben Jahr erbte Hofrat Freiherr von Lindemann das Gut Heilsberg im Weißeritztal nahe Tharandt. Den zugehörigen Park wollte er zu einem Landschaftspark erweitern. Dieser Idee folgend, wurden innerhalb weniger Jahre über 20 km Wanderwege angelegt. An Aussichtspunkten wurden Bänke und Schutzhütten errichtet, Sichtachsen zur alten Burgruine und der Bergkirche freigeschlagen. Reger Kurbetrieb setzte ein.
Der Idee, die Natur in „Verschönerten Landschaften“ zu verwandeln, folgten in der Zeit der Frühromantik vor allem vermögende Adlige (z. B. Fürst Friedrich Franz, der ab 1769 das „Gartenreich von Dessau-Wörlitz“ oder Christina, Gräfin von Brühl, die das „Seifersdorfer Tal“ ab 1793 gestalten ließ). Erwünscht für die Landschaftsgestaltung waren ein möglichst unberührtes Tal, durchflossen von einem rauschenden Fluss, umgeben von bewaldeten, felsigen Hängen. Künstliche Grotten und Burgruinen vervollständigten das Panorama. Die Wege wurden so angelegt, dass sich dem Wanderer auf besonders angelegten Sichtachsen möglichst spektakuläre Aussichten auf landschaftlich reizvolle Objekte boten.
Die „Tharandter verschönerte Landschaft“ nimmt gegenüber anderen Landschaftsparks bis heute eine Sonderstellung ein:
In die Landschaftsparks wurden, dem Zeitgeschmack entsprechend, künstliche Ruinen hineingebaut. Über dem Städtchen Tharandt stand bereits eine mittelalterliche Burgruine.
Während andere Landschaftsparks außerhalb von Ortslagen angelegt worden sind, gehörte der Ort Tharandt selbst zur „Verschönerten Landschaft“, einschließlich seiner nahen Umgebung.
Der bedeutendste Unterschied zwischen den bis dahin geschaffenen „Verschönerten Landschaften“ und Tharandt bestand aber darin, dass erstmalig niederer Adel, Bildungsbürgertum und Bürger der Stadt zu Schöpfern und Erhaltern einer „Verschönerten Landschaft“ geworden waren und nicht – wie bisher – der Hochadel.
Dr. Christoph Richter

Übersetzungen

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